Biografie

 

 

Haben Sie schon einmal daran gedacht, Ihr Leben oder das eines Ihnen nahe stehenden Menschenaufzuschreiben? Fehlt es Ihnen dazu aber an Zeit oder an den richtigen Worten?

 

WORTSACHE kann für Sie eine Lebensgeschichte oder einen Ausschnitt daraus verfertigen. Sie brauchen sie nur zu erzählen.

 

 

 

Beispiel

Im Gymi

 

 

Am Anfang stand er ganz unten. Wenn die älteren Schüler nach der Pause die breite Steintreppe hinaufstürmten, sah er ihnen oft nach und träumte davon, einer von ihnen und auch schon ein Stockwerk höher zu sein, später noch höher und zuletzt ganz zuoberst in der letzten Klasse, gleich unter der Dachterrasse, ein Günstling des Himmels. Anfänglich sah er die mageren Bubenbeine in geringelten Socken; er selbst hatte nach innen geknickte Beine, das würde sich erst langsam auswachsen, hatten die Eltern gesagt; wenn ich oben bin, dachte er, vielleicht wenn ich mal oben bin. Dann schaffte er es in den ersten Stock; der Vater hatte noch nach der ersten 4 in Mathematik gesagt: siehst du, er schafft es nie, ich habe es immer gesagt. Dieser Satz hakte sich in ihm fest wie ein eingewachsener Dorn. Aber er war jetzt im ersten Stock und sah, wie schon kräftigere Beine in weniger auffälligen Socken steckten und nach weiter oben die Treppen hinaufstiegen. Unten hatte er noch Turnschuhe getragen und war darauf aus gewesen, schnell nach dem Glockenzeichen vor der grossen Pause hinaus in den überdachten Hof zu stürzen, wo sie mit den Füssen Tennisbälle unter Bänke spielten, die als Tore dienten; jetzt trug er braune oder schwarze Lederschuhe und im Sommer keine kurzen Hosen mehr. Schliesslich stieg auch er einmal die letzten Treppen bis ganz hinauf unters Dach; die Eltern diskutierten keine Noten mehr, von denen er berichtete oder auch nicht, und was ihn bekümmerte, das waren jetzt nicht mehr seine Beine, die sich gestreckt hatten, sondern das Dunkel zu Hause und gelegentlich ein Mädchen im anderen Schulhaus, das ihm die Sprache verschlug.

 

Später entdeckte er noch viele weitere Treppen, auf denen Beine in dezenten Socken aufstiegen. Dass er unter seinem Himmel etwas geworden war, merkten andere noch vor ihm, und nicht mehr ganz so häufig wie früher denkt er heute daran zurück, wie es am schönsten war ganz am Anfang unten an der ersten Treppe, als noch kein Dorn sich festgesetzt hatte und die Socken der Hinaufsteigenden noch geringelt waren und der schönste Himmel 15 Meter oder drei Stockwerke weiter oben, die grösste Katastrophe eine 4 in Mathematik und das einzige, was das Leben bisher geknickt hatte, seine kleinen Beine.

 

 

Roger Morger

Im Gymi Am Anfang stand er ganz unten. Wenn die älteren Schüler nach der Pause die breite Steintreppe hinaufstürmten, sah er ihnen oft nach und träumte davon, einer von ihnen und auch schon ein Stockwerk höher zu sein, später noch höher und zuletzt ganz zuoberst in der letzten Klasse, gleich unter der Dachterrasse, ein Günstling des Himmels. Anfänglich sah er die mageren Bubenbeine in geringelten Socken; er selbst hatte nach innen geknickte Beine, das würde sich erst langsam auswachsen, hatten die Eltern gesagt; wenn ich oben bin, dachte er, vielleicht wenn ich mal oben bin. Dann schaffte er es in den ersten Stock; der Vater hatte noch nach der ersten 4 in Mathematik gesagt: siehst du, er schafft es nie, ich habe es immer gesagt. Dieser Satz hakte sich in ihm fest wie ein eingewachsener Dorn. Aber er war jetzt im ersten Stock und sah, wie schon kräftigere Beine in weniger auffälligen Socken steckten und nach weiter oben die Treppen hinaufstiegen. Unten hatte er noch Turnschuhe getragen und war darauf aus gewesen, schnell nach dem Glockenzeichen vor der grossen Pause hinaus in den überdachten Hof zu stürzen, wo sie mit den Füssen Tennisbälle unter Bänke spielten, die als Tore dienten; jetzt trug er braune oder schwarze Lederschuhe und im Sommer keine kurzen Hosen mehr. Schliesslich stieg auch er einmal die letzten Treppen bis ganz hinauf unters Dach; die Eltern diskutierten keine Noten mehr, von denen er berichtete oder auch nicht, und was ihn bekümmerte, das waren jetzt nicht mehr seine Beine, die sich gestreckt hatten, sondern das Dunkel zu Hause und gelegentlich ein Mädchen im anderen Schulhaus, das ihm die Sprache verschlug. Später entdeckte er noch viele weitere Treppen, auf denen Beine in dezenten Socken aufstiegen. Dass er unter seinem Himmel etwas geworden war, merkten andere noch vor ihm, und nicht mehr ganz so häufig wie früher denkt er heute daran zurück, wie es am schönsten war ganz am Anfang unten an der ersten Treppe, als noch kein Dorn sich festgesetzt hatte und die Socken der Hinaufsteigenden noch geringelt waren und der schönste Himmel 15 Meter oder drei Stockwerke weiter oben, die grösste Katastrophe eine 4 in Mathematik und das einzige, was das Leben bisher geknickt hatte, seine kleinen Beine. Roger Morger
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