Karte

Weihnachtskarte, Neujahrskarte …

 

 

Weihnachten, der Jahreswechsel, aber auch ein Geburtstag kann ein Anlass sein, für Menschen einen schönen, einprägsamen Text zu schreiben. Der Text kann für sich alleine stehen, er kann sich aber auch auf ein Bild oder eine Fotografie beziehen und damit die Leser berühren. WORTSACHE verfasst solche Texte aufgrund Ihrer Vorgaben.

 

 

 

 

Beispiel

 

Weihnachtskare für eine Schule mit einem Bild des Richter-Fensters im Kölner Dom.

 

Liebe Mitarbeitende

 

Wie seine Geschwister in Chartres, Reims, Paris, Strassburg oder Mailand ist auch der Kölner Dom das zum ewigen Klingen bestimmte himmelwärts jauchzende Halleluja der abendländischen Christenheit, in Stein verewigte Lichtgestalt mittelalterlicher Gotik. Allen voraus hat er ein aus der Zeit gefallenes Fenster, mit dem Gerhard Richter 2007 das südliche Querschiff versah. Nach dem Wunsch des Kardinals hätte es Szenen aus der Vita von Märtyrern vor das Licht des Himmels stellen sollen; statt dessen zeigt es auf 113 Quadratmetern 11’236 Quadrate in 72 Farben, die – und das ist vielleicht das Anstössigste – von einem Computer nach Zufallsprinzip komponiert worden sind. Soll ein Fenster, wenn es denn keine Heilsgeschichte mehr zu erzählen weiss, mit der göttlichen Gabe der Kunst vom Verlust aller Gewissheit künden? Darf ein „katholischer Atheist“, wie Richter sich selbst bezeichnete, mit seiner Arbeit ausgerechnet im Kölner Dom dem im Glas jubilierenden Glauben an die Schöpfung denjenigen an die schöpferische Wirkungskraft des Zufalls entgegenstellen? Kann die Kirche ertragen, dass das göttlich Unfassliche im Auge des Betrachters in Pixel zerfällt, eine Hymne an die Beliebigkeit die eine Botschaft verdrängt und bilderstürmend verkündet: was war, gilt nicht mehr?

 

Eine Schule ist keine Kirche. Und dennoch teilt sie mit ihr das Schicksal des ständigen in-Frage-gestellt-Seins. Wo der Dom mit farbentrunkener Epik dem Menschen das Auge öffnet dafür, was unsichtbar jenseits seiner Wirklichkeitserfahrung liegt, will und soll die Schule Licht in das Dunkel des Diesseits bringen. Und auch wenn sie wie Richters Fenster keine unerschütterlichen Gewissheiten mehr weiterzugeben hat – auch sie entlässt, wenn sie ihre Aufgabe richtig macht, Menschen ins Leben, die andere sind als zuvor – weil wir durch das Fenster der Bildung die Sicht frei geben auf Farben, auf Lichter, auf Klänge und ein Wissen, das Sinn stiftet und stark macht.

 

Mit dem Bild von Gerhard Richters Domfenster möchte ich Ihnen für Ihren Beitrag zum Gelingen von Bildung an unserer Schule, für Ihre tägliche, manchmal mühevolle Arbeit im zu Ende gehenden Jahr sehr herzlich danken. Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen eine schöne Weihnachtszeit und ein glückliches, farbenreiches neues Jahr.

 

 

Im Dezember 2014      Roger Morger